Französische Fahne auf der Heinrich-Heine-Allee

Tour de France 2017 in Düsseldorf

Tour de France 2017 in Düsseldorf – Grand Départ

 
Die Tour de France 2018 macht sich bereit für den Endspurt. Drei körperlich und geistig anstrengende Wochen liegen hinter den Rennfahrern. Viele von ihnen haben im gemeinsamen Wettkampf ihre Grenzen überwunden und persönliche Bestleistungen errungen. Sie haben gekämpft, sind gestrauchelt und haben sich wieder auf’s Rad geschwungen. Einige von ihnen sind aber auch auf der Strecke geblieben, mussten sich ihre schmerzliche Niederlage eingestehen und den Traum vom Ritt durch den Arc de Triumph – zumindest für dieses Jahr – vorzeitig aufgeben. Die sportliche „Tour de Force“ bietet alles, was ein fesselndes Spektakel braucht: Spannung, Leidenschaft, Kampf, Betrug, Überwindung, Niederlagen und am Ende – einen strahlenden Sieger.
 


 
Auch mich hat der „Tour-Virus“ vor einem Jahr angesteckt, als am 02. Juli 2017 die Tour de France 2017 von Düsseldorf aus in Richtung Paris startete. Schon vor Beginn des sportlichen Großereignisses herrschte in der Landeshauptstadt ein freudiger Ausnahmezustand. Überall flatterten französische Fahnen, Fahrräder waren bemalt und zu Kunstwerken aufgebockt und kilometerlang abgesperrte, seltsam verwaiste Straßenzüge luden zum Flanieren und Spazieren fahren ein. Auch die Düsseldorfer Band Kraftwerk ließen es sich nicht nehmen, sich musikalisch ins Rennen zu schicken und führten ihr Album Tour de France am Abend der 1. Etappe im Rahmen eines intimen Konzerts im Ehrenhof auf.
 
Ich wanderte zwei Tage lang mit neugierigem Blick durch eine verwandelte Stadt und versuchte, das Außergewöhnliche mit der Kamera einzufangen. Einen bemerkenswerten Anblick boten zum Beispiel die vielen extra eingerichteten Fahrradparkplätze am Rhein, im Hofgarten und an mehreren anderen Stellen in der Stadt. Dass Düsseldorf aber noch weit von entfernt ist, sich als Fahrradstadt zu verstehen, bewiesen die Besucher des „Tour de France“-Auftakts. Sie registrierten die offiziellen Parkmöglichkeiten erst gar nicht und schlossen ihre Räder stattdessen wie gewohnt an den umliegenden Brückenpfeilern und Laternenmasten ab. Aber auch die Radsportfans boten interessante Motive, wie etwa die treue Gefolgschaft im charmanten Citroen 2CV, der den Tour-Fahrer alljährlich im Windschatten an die Fersen heftet.
 
Am 01. Juli begann endlich die erste Etappe des Rennens an der Messe Düsseldorf mit dem Zeitfahren. Trotz strömenden Regens hatten sich viele Schaulustige entlang der Rotterdamer Straße versammelt, um den Ausnahmesportlern zuzujubeln. Ich war beeindruckt, wie pfeilschnell die Rennfahrer an mir vorbeifuhren und dankte im Stillen meinen Kamerakollegen, die die Tour de France begleiteten, dafür, dass sie das Ereignis für die Zuschauer über Großleinwände erst richtig erfahrbar machten. Der Waliser Geraint Thomas gewann schließlich das Auftaktzeitfahren und bezwang den 14 km langen Parkour innerhalb von 16:04 Minuten. Für einige wurde die rutschige Straße leider zum Verhängnis. Sie mussten sich aufgrund von Verletzungen schon am ersten Tag geschlagen geben.
 
Am zweiten Tag startete das Rennen am Burgplatz in Richtung Erkrath, Ratingen und Mettmann und kehrte danach noch ein letztes Mal nach Düsseldorf zurück. Um 14.00 Uhr war der Spuk schon vorbei. Die Rennfahrer hatten die Landeshauptstadt hinter sich gelassen, um auf der Berg- und Talstrecke zwischen „Klein Paris“ und „Groß Paris“ unzählige Tour-Abenteuer zu bestehen.
Ich habe das Rennen danach am Bildschirm weiterverfolgt und mich „on the fly“ mit dem Regelwerk vertraut gemacht. Ich war beeindruckt von dem Teamgeist der Fahrer, wie sie sich gegenseitig den Rücken freihielten und ihrer eisernen Willenskraft zur Selbstüberwindung.

Was ist von Tour de France 2017 in Düsseldorf geblieben ist? Ein paar frisch asphaltierte Straßen, neue Radwege und ein Imagekick für die Landeshauptstadt. Und für mich? Ich bin ein noch leidenschaftlicherer Fahrradfahrer geworden.